
Eröffnung im Rahmen des Glückstädter Kulturmärz.
Mit der Studioausstellung „Regina Schween – Soul Painting“ präsentiert das Detlefsen-Museum im Brockdorff-Palais eine eindrucksvolle Position zeitgenössischer Portraitmalerei. Die Ausstellung wird am Samstag, den 22. März 2026, um 11:30 Uhr im Rahmen des Glückstädter Kulturmärz eröffnet.
Regina Schween widmet sich in ihrer Malerei konsequent dem Portrait und der Figur. In Öl auf Leinwand, teils auch in Mischtechnik, entwickelt sie eine Bildsprache, die sich bewusst von einer bloßen Abbildung äußerer Ähnlichkeit löst. Ihre Arbeiten entstehen in einem intensiven, offenen Prozess: Farbe wird pastos aufgetragen, wieder abgenommen, neu geschichtet – feucht in feucht oder feucht auf trocken. Dieses fortwährende Setzen, Verwerfen und erneute Suchen ist zentraler Bestandteil ihrer künstlerischen Haltung.
Die Ausstellung zeigt Portraits, die zwischen Gegenständlichkeit und Auflösung oszillieren. Schweens Malweise ist lebhaft, teilweise gestisch und in Momenten nahezu abstrakt, bleibt jedoch stets konkret. Die dargestellten Personen bleiben erkennbar, verlangen jedoch ein aktives, intuitives Sehen. Schween selbst vergleicht diese Erfahrung mit Neuer Musik, etwa der Zwölftonmusik Alban Bergs: Das Vertraute wird aufgebrochen, um neue Wahrnehmungsräume zu eröffnen. Ein zentrales Element ihrer Arbeit sind die von der Künstlerin sogenannten „Ausflüge“. Neben konzeptuell angelegten Portraits entstehen bewusst Arbeiten, die aus diesen Vorgaben ausbrechen. Mehrere Darstellungen einer Person werden parallel entwickelt, um Steigerungen, Brüche und auch das Scheitern sichtbar zu machen. Fehlversuche sind Teil des künstlerischen Prozesses – und oftmals Ausgangspunkt für neue Wege.
Künstlerisch setzt sich Regina Schween intensiv mit Positionen wie Chaim Soutine, Willem de Kooning und insbesondere Frank Auerbach auseinander, den sie weniger als Expressionisten denn als Realisten versteht. Frühere Einflüsse reichen von Arnulf Rainer bis zu Rubens’ Höllensturz. Entscheidend ist für sie das Licht: Sie malt „dem Licht hinterher“, dessen wechselnder Einfall das Motiv stetig verändert. Die reliefartige Oberfläche ihrer Leinwände verleiht den Portraits eine nahezu skulpturale Präsenz. Linien entstehen dort, wo Farbfelder aufeinandertreffen, erzeugen Raum und suggerieren Dreidimensionalität. Das Zeichnen nimmt dabei eine zentrale Rolle ein – als konzentrierte Suche nach der tragfähigen Linie.
Biografisch ist Schweens Arbeit eng mit ihrem Lebensumfeld verbunden. Leben und Arbeiten finden unter einem Dach statt. Die relative Isolation ihres heutigen Lebensraums führte zur Entwicklung eines Maltagebuchs, in dem Gedanken, Konzepte und Zweifel festgehalten werden. Ein konstantes Modell trägt wesentlich zur Intensität und Vertiefung ihrer Arbeit bei. Regina Schween vermeidet bewusst Darstellungen von Glück und Zufriedenheit. Ihre Werke sind keine gefälligen Bilder, sondern Arbeiten für Museen und Sammlungen, die sich dem schnellen Konsum entziehen. Sie laden dazu ein, Sehgewohnheiten zu hinterfragen und neue Zugänge zur Wahrnehmung zu entwickeln.
„Soul Painting“ ist damit nicht nur der Titel der Ausstellung, sondern Ausdruck einer Haltung: einer Malerei im permanenten Werden, die ihre Freiheit aus der Konzentration auf das Portrait gewinnt und den Realismus neu befragt.
Donnerstag, Sonnabend und Sonntag
14 bis 17 Uhr
Dienstag bis Sonntag
14 bis 17 Uhr
Dienstag bis Donnerstag
9 bis 12 Uhr
Kontodaten
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